Es ist bestimmt keine nur schweizerische aber ebenso sicher eine sehr eidgenössische Regel, dass man über Geld und vor allem über das eigene Einkommen nicht spricht. Das ist tabu. Und zwar in allen Kreisen. Da möchte ich doch die folgende Pressemitteilung der letzten Tage rapportieren, denn sie wirft einen herrlichen Blick auf diese Eigenart, und der Berufsstand der Bauern ist damit nur stellvertretend gemeint. Wir schrieben das Jahr 2001 als in der Schweiz Ungeheuerliches passierte. Die Bauern entdeckten die alteidgenössische Kunst des Aufbegehrens gegen Obrigkeiten neu und marschierten und rollten mit Mistgabeln und schwererem Gerät bewehrt zu Fuss oder per Traktor nach Freiburg und Givisiez, um daselbst mit Ihrem Arbeitsgerät die Coop-Verteilzentren zu blockieren. So protestierten am 8. und 9. November damals 150 Bauern gegen die Preispolitik des Grossverteilers. 28 von ihnen konnten anhand der Nummernschilder der Traktoren identifiziert werden. Ich stelle mir vor, wie dieser Verbund von 28 Landwirten nun vor dem Polizeirichter erschien. Die richterliche Befragung dauerte laut den Freiburger Nachrichten drei Stunden und begann - siehe oben - mit der heiklen Frage nach den Personalien und, vor allem, nach den "persönlichen Verhältnissen", wie wir das nennen. Damit ist nicht so sehr der Zivilstand als vielmehr der Kontostand gemeint. "Im Winter nichts, im Sommer etwas mehr." "Genug um zu leben." "Fünf Prozent eines Bundesrats." Etwas weniger originell, aber besorgniserregend: Gut auch jener Bauer, der sein monatliches Einkommen erst nannte, als der Polizeirichter sein eigenes bekannte. Ein Angeklagter Landwirt will sich generell an nichts mehr erinnern: "Ich wurde eben 65 Jahre alt und bin bei bester Gesundheit, Gott sei Dank. Ich will mit dieser Geschichte nichts mehr zu tun haben." Eigentlich schade. Denn so viel Bauernschläue sollte uns zum Saisongemüse weiter gratis hinzugeliefert werden. Zur Lockerung des vegetativen Nervensystems unbedingt zu empfehlen und im Gegenzug mit Straffreiheit zu entgelten, bitteschön. Nächster Prozesstag ist der 19. April, das Urteil wird für den 21. April erwartet. Vielleicht dannzumal in der unten angegebenen Quelle nachzulesen... Thinkabout Quelle: Freiburger Nachrichten vom 1.4.06
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