Vom Tagebuch des Alltags bis zum zeitlosen meditativen Text in Prosa oder Poesie. Teile mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken, und versuche, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.
"Warum nur fällt es mir so verd... schwer, Ordnung zu halten?" murmelte Egon, während er ruhelos und mit leicht fahrig schlenkernden Armen auf der Terrasse hin und her strich. Sein Gesprächspartner fühlte sich nicht zu einer Antwort gedrängt. Die Frage war schon so lange mehr Rhetorik, und das war es, was Nirvan wirklich ärgerte. Immerhin glich der Tonfall jetzt nicht länger dem eines Aufrufs zur Anteilnahme. Jetzt kamen die Worte leise, fast ein bisschen verzweifelt.
Nirvan streckte sich noch etwas länger hin in seinem Liegestuhl, und dann antwortete er tatsächlich: "Weil du dir die Zeit dafür nicht nimmst und dir einbildest, es wäre vergeudete Zeit. Ziemlich anmassend, wenn ich mir ansehe, was du dann stattdessen tust... Du schaust dir die Ordnung an, wenn sie denn geschaffen worden ist, und fändest es ganz praktisch, darin zu leben." "Ja, Ordnung zu halten ist wirklich erstrebenswert." Nun wurde Nirvan ungehalten. "Einer, der so wenig dafür zu tun bereit ist, sollte das Wort "erstrebenswert" hier gar nicht brauchen." Egon verdrehte die Augen. Für ihn waren dies oft Wortklaubereien. Zumindest zu Anfang. "Ich gebe mir doch Mühe!" "Nun, ganz offensichtlich ist es zumindest so, dass du Mühe damit hast", spottete Nirvan, fuhr dann aber weiter: "Mach deine Arbeit fertig. Beginne keine neue, bevor du die alte nicht abgeschlossen und abgelegt hast. Zuvor denke gar nicht erst an die nächste. Überprüfe deine generelle Haltung. So falle auch niemandem ins Wort, sondern höre geduldig zu. Auch dabei kannst du für die Ordnung üben. Je ruhiger deine Gedanken werden, um so geordneter stehen sie selbst in einer Reihe, und um so eher kannst du dich darauf verlassen, dass die spontane Eingebung, wo denn etwas Bestimmtes zu versorgen wäre, auch die richtige ist, die du später wieder erinnern kannst. Wenn du dann ohne Hektik richtig was weg arbeiten kannst, dann wird die Ordnung zum Freund."
Ihm war nicht wohl, wenn er solche schulmeisterlichen Vorträge hielt, aber er mochte den Jungen, wie er Egon für sich oft nannte, eben doch so gern, und wenn er dann die Chance sah, ihm zu einem Aha-Erlebnis zu verhelfen, kannte er eben kein Halten mehr. Egons Blicke waren nicht da, wo sie sein sollten, und so seufzte Nirvan leise und wiederholte, was er glaubte, würde sich heute doch noch bei Egon setzen können: "Strebe hartnäckig, aber mit Geduld nach Ordnung, und du wirst früh merken, dass es sich mit ihr leichter leben lässt."
Janna
(16.9.06 15:15)
....:-) also, nun, da fällt mir nur spontan der immer wieder gern zitierte Satz ein: "Wer Ordnung liebt, ist nur zu faul zum suchen...." - und manche Menschen sind eben nicht sehr ordentlich! Meine Tochter ist der Typ:kreativer Chaot - in ihrem "Haufen" findet sie auf Anhieb alles...und sie hat zwei Einser-Diplome von der Uni....na??? ...also mach dir mal keinen solchen Stress, das ist nicht im richtigen Sinne....:-) Janna