Vom Tagebuch des Alltags bis zum zeitlosen meditativen Text in Prosa oder Poesie. Teile mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken, und versuche, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.
Egon setzte zum vierten Mal an, um den Artikel zu lesen. Dann gab er es auf und legte ihn zum Altpapier. Dieser Stapel war einiges kleiner als jener, der noch abzutragen war. Doch was er sich mal aufsparte, um es in Ruhe noch lesen zu können, machte ihn nun ärgerlich. Das noch zu Entdeckende, Wartende, wurde einfach zum Unerledigten. Aus dem Angebot war eine Forderung geworden.
Er spürte Nirvans Blick, hatte aber überhaupt keine Lust, in dessen Augen das zu lesen, was er im Grunde schon selbst wusste. Dieser Besserwisser. Aber nein, so war es ja immer. Nirvan wusste nur besser, was er selbst im Grunde auch kannte. Immer, wenn er Nirvans Anwesenheit spürte, war er im Grunde der Lösung selbst schon recht nahe.
Egon packte die ungelesenen Zeitungen, wenigstens einen guten Teil davon, und schob ihn zum Altpapier. Kein Gefühl der Niederlage dabei, nicht mehr. Keine Zeit zu haben, ist manchmal einfach eine Tatsache und keine Niederlage. Er fühlte sich ein wenig leichter in seinem Körper und wandte sich tatsächlich den schon länger auf Erledigung wartenden Zahlungen zu. Ohne Missmut. Auf dem Weg zu noch ein bisschen mehr Raum und mit einem weiteren erfrischenden Gedanken:
Es soll Menschen geben, die unter Langeweile leiden und deshalb leere Zeit fürchten. Da ist es doch angenehmer, zu wissen, wo man hin will und nur wegräumen zu müssen, was im Wege steht. Nirvan lächelte. Egon wusste es, drehte sich aber auch jetzt nicht um. Es war einfach ein gutes Gefühl. Genau so, wie der Gedanke daran, wie schön es ist, Zahlungen ohne grosse Sorgen erledigen zu können.
Dankbar war er nun ganz bei der Sache und eine neue Stille umgab ihn, die Nirvan sehr gut kannte und ihm von Herzen gönnte.