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Mein Schreiben, mein Atmen.
(Manfred Hinrich)

Vom Tagebuch des Alltags bis zum zeitlosen meditativen Text in Prosa oder Poesie. Teile mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken, und versuche, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

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Döbeli (fast) allein zu Haus'



Döbeli hatte viel zu tun. Köbeli wollte das nicht verstehen. Papi hatte immer viel zu tun. Für den Kleinen war das eine Art Krankheit. Es konnte doch nichts Schöneres geben als seinen Lego-Bagger und kein wichtigeres Problem als das Kaffeepulver, das nun doch partout mit eben diesem Bagger vom Sack in die Vorratsdose umgefüllt werden musste. Aber Papi hatte keinen Nerv dafür. Er schaute gar nicht hin.
Er wünschte sich, seine Frau käme wieder nach Hause, damit er ins Büro verschwinden konnte. Hier liess sich so schwer arbeiten. Die Konzentration...

Während dessen genoss Frau Döbeli ihren Einkaufsbummel im Wissen, dass ihr Mann seinem neulichen innerehelichen Vortrag über das wohl überlegte Zeitmanagement eines erfolgreichen Kadermitglieds und dessen Anwendbarkeit auf Hausarbeit und Kindererziehung gerade justament jetzt eine praktische Anwendung eben dieser Führungsqualitäten folgen liess. Das erlaubte ihr, trotz vollen Taschen frohgemut die nächste Boutique zu betreten, während ihr erfolgreicher Mann zu Hause fern jeden Organisationsprinzips aber von einem urwüchsigen Instinkt beseelt den Kopf hob.

Döbeli hatte schon lange keine Zeit mehr für Sport, und so staunte er selbst, wie schnell seine Muskeln den Befehl seines Hirns umzusetzen versuchten: Hochschnellen und sich seitwärts strecken, um den Kaffeebeutel im Flug zu fangen, bevor er auf dem dicken weissen Teppich aufschlug... Aber er war nicht schnell genug. Döbeli hatte genau genommen keine Chance. Auch Köbeli hatte längst schon vergessen, welcher Spass es gewesen war, seinem Vater unbemerkt die Schnürsenkel zusammen zu binden. Wie in Zeitlupe sah er seinen Vater auf den Bauch fallen, wobei er den restlichen Kaffee mit einer rudernden Armbewegung über den Boden schleuderte. Sein Handy folgte ihm in hohem Bogen, prallte von Döbelis Hinterkopf ab, was diesen aufheulen liess, um gleich darauf vom Handyklingeln übertönt zu werden. Dass der Gefangenenchor von Nabucco als Klingelmelodie jetzt doch ziemlich zynisch wirkte, war Köbeli nicht bewusst... Er drückte auf die Empfängertaste und sprach ganz ernst ins Telefon, sein Vater, der Herr Direktor Döbeli, hätte jetzt leider keine Zeit...

 

(c) Thinkabout, 6.10.06


abgelegt in Kategorie "Erdlinge"
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6.10.06 16:25
 
Letzte Einträge: Drüben ist Nr. 3000 erreicht, Wie geht es hier wohl weiter?


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


masterkuki / Website (7.10.06 21:17)
Köstlich!
Danke

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