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Mein Schreiben, mein Atmen.
(Manfred Hinrich)

Vom Tagebuch des Alltags bis zum zeitlosen meditativen Text in Prosa oder Poesie. Teile mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken, und versuche, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

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Unausgefüllte Anfänge



Ich brauche wohl zukünftig noch viel, viel mehr Zeit zum Lesen. Denn es scheint wirklich so, dass mir die Sätze, die genau jetzt und so für mich gedacht sind, vor die Augen fallen und in den Kopf springen, bevor sie an meinem Herzen rütteln.

Ich lese in der NZZ am Sonntag von Michel Mettler über Rotbert Walsers "Der Räuber":

Ich will nutzlos sein im schönsten Sinn, nicht die gängigen Fähigkeitszeugnisse erwerben, sondern auf eigenen Wegen meine Fertigkeit proben.

... ein Räuber von unausgefüllter Zeit sein, zu füllen mit dem, was die Gegenwart gibt.


Ich lese weiter, überlese vieles, denn ich habe Robert Walsers Räuberroman nie gelesen, und dann stolpere ich am Ende über den folgenden Satz, der mich auf den Rücken fallen lässt, wo ich liegen bleibe und den Himmel sehen kann, mitten im Zimmer, an die Decke starrend:

Die Kunst, nochmals von vorn anzufangen, eng beim Quellpunkt einer Phantasie, nochmals ganz am Anfang zu beginnen mit nichts, allen Besitz, alles Wissen hinzugeben für einen Anfang, nur für einen nächsten ersten Satz, ...

Ich bin an Heiligabend gefragt worden, ob ich ein Buch schreiben wolle, als ich preisgab, dass ich jeden Tag ein paar Sätze tippe. Die Frage quälte mich ein wenig, weil ich spürte, dass hier und jetzt nicht zu erklären war, wie fern so was sein konnte, ohne dass dies etwas an meinem Schreiben ändern würde. Natürlich würde ich gerne, sagte ich dann, dem Erwarteten die Gebühr entrichtend. Aber ich habe ja gar kein Projekt. Ich sage: "Es geht nur ums Üben." Und was ich meine ist:

Ich geniesse es, an einem Anfang zu stehen und verweigere mich allem, was mich verplant. Meine Weitsicht reicht nur aus, nach einem Anfang zu suchen, in jedem Satz, in dem einen Satz, und ich verschliesse mich jedem weiteren Verplanen. Ich will mich immer wieder zum Anfang des einen Satzes hangeln, und ihn dann geschehen lassen. Mehr brauche ich nicht und will ich nicht, und zu gar nichts muss das nutzbar sein als für die Fertigkeit, Gegenwart gewahrt zu haben.


Thinkabout
abgelegt in Kategorie Quellwasser
25.12.06 22:21
 
Letzte Einträge: Drüben ist Nr. 3000 erreicht, Wie geht es hier wohl weiter?


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


masterkuki (25.12.06 22:44)
...Ich will mich immer wieder zum Anfang des einen Satzes hangeln, und ihn dann geschehen lassen...

Dieser Satz beginnt eigentlich immer mit "Ich bin". Was danach folgt ist das, was Don Juan als "kontrollierte Torheit" nennt, was in den Veden als lila erscheint. Viel Spaß beim Spielen, lass ES spielen


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