Vom Tagebuch des Alltags bis zum zeitlosen meditativen Text in Prosa oder Poesie. Teile mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken, und versuche, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.
Was für ein Tag...! Eigentlich habe ich durchaus gearbeitet. Aber nach Lust! Welche Ruhe. Welche Geruhsamkeit. Und dieses Wetter! Die Sonne - ich sehe nicht die Putzstreifen an den Fenstern, weiss nicht mal mehr, ob da welche sind (kein Seitenhieb an Dich, Thinkabouts Wife, weiss Gott nicht!). Ich sehe und fühle nur das strahlende Wetter und finde, es passt zu mir, zu uns.
Heute habe ich wirklich zum ersten Mal die innere Ruhe, die meine Gedanken fliessen lässt. Gleiten. Nicht stürmen. Ich muss nicht, ich darf.
Und zum ersten Mal (seit ?) bekomme ich ein Gefühl dafür, was passieren könnte, wenn aus dieser Ruhe ein kreatives Projekt entsteht... Wenn sich etwas in mir meldet, ich mich selbst entdecke...
Es ist ein beglückender Tag. Und dazu passt, dass wir heute Abend bei Freunden eingeladen sind. Menschen mit einem ganz anderen Lebensplan als wir, aber voller Anteilnahme und Unterstützung. Begleiter eben, zu denen ich mich sehr gerne hinsetze. Denen ich zuhören und von denen ich mich inspirieren lassen will.
Wenn ein Tag Dir zur Chance wird, wenn er inspirieren kann, wenn die Zeit in ihrem Kommen und Vergehen keine Mühsal enthält sondern wie die Strömung ist, auf der ich als Schwimmer gleiten kann, dann bin ich glücklich.
Während ich mich so einrichte in meiner neuen Geruhsamkeit, die auch eine Behutsamkeit sein soll, steht die letzte geschäftliche Beziehung zur Klärung an. Das wird, das könnte durchaus noch ein wenig schmutzig werden.
Ich habe aber nicht so recht Lust darauf. Ich will mich nicht ausbooten lassen, das nicht. Aber ich habe auch keine Lust auf einen juristischen Schlagabtausch. Also harre ich ganz entspannt des angekündigten Briefes - und weiss eigentlich schon, was ich tun werde, ganz egal, was auf diesem "Zettel" stehen wird.
So sitze ich heute in einer kurzen Arbeitspause (jawoll, heute wurde gearbeitet) auf der Terrasse, den sagenhaften Mandelgipfel des Dorfbäckers (sagenhaft gross, und ebenso sagenhaft gut) auf den Knien und blinzle in die Sonne. Zufrieden stelle ich fest:
Ich kann ganz ohne. Ein fehlendes positives Resultat - ich würde es abstreifen. Es fiele hinab in die Zeit der Vergangenheit, und genau darin hätte ich mich dann eben durch den Lehrmeister in der Person meines Widersachers zu üben:
Drop the thought. Den Gedanken fallen lassen. An ihn, den früheren, den scheinbaren Partner. An das Ärgernis. Was nur als Episode erkannt wird, kann dem Vergessen anheim gegeben werden. Was für ein Geschenk für den nächsten Hauch von Gegenwart...
Unspektakulär? Die vorhandene Zeit, die plötzliche, genau so plötzlich gefüllt, aufgefüllt oder ausgefüllt? Ich glaube, dass viele Paare, Lebensentwürfe, Einzelversuche, daran scheitern, dass die Erwartungen falsch sind. Kaum ist Zeit da, entstehen Wünsche. Nun könnte man doch?!! Aus dem Können wird ein Müssen. Und schon ist sie weg, die neue Gelassenheit, die ja immer mehr eine Möglichkeit war, die sich nun einfach mehr aufdrängte - und doch gleich wieder entzog, kaum sass man einfach auf dem Sofa ohne konkrete nächste Verpflichtung.
Ich denke tausend Dinge. Das noch und das noch erledigen, und DANN beginnt die Musse. Ich glaube nicht, dass das funktionieren wird. Stattdessen sind Tagespläne gefragt, Blöcke, Selbstbeschränkungen. Wie armselig. Scheinbar. Aber wohl der Anfang, an diesem Anfang absolut zwingend notwendig. Erst mal weiter aufräumen. Die Wäsche machen. Dann sehen wir weiter. Und vor allem Schlafen gehen.